Aachen. Dornröschenschlaf? Passt nicht. Dornröschen war immerhin schön. Das kann man vom ehemaligen Umspannwerk in der Hüttenstraße nicht behaupten. Die Jahre des Schlafes sind jedenfalls vorbei.
War noch vor sechs Jahren im Rahmen des Stadtteilerneuerungsprogramms davon die Rede, den historischen Ort als Spielstätte für ein Theater, einen Kulturverein oder als Anlaufstelle für Jugendliche wachzuküssen, hat sich dann eine ganz andere Lösung aufgedrängt. Die Firma Synaix und der kommunale IT-Dienstleister Regio-IT haben sich zusammengetan und ein Rechenzentrum in dem alten Betongebäude aufgebaut. Mittlerweile steht das Gebäude selbst für technologische Weiterentwicklung: In den 1960er Jahren für die Stromversorgung der Industrie im Aachener Osten gebaut, steht es nun für die Zukunftstechnologie des 21. Jahrhundert. Das Zentrum hört auf den Namen „Euraix“ – und verfügt über einige sehr feine Standortvorteile.
Zum einen ist da die Bauhülle – sie besteht aus Beton und ist sehr stabil. Zum anderen und noch wichtiger steht direkt hinter dem alten ein neues Umspannwerk, was der Stromversorgung und somit der Datensicherheit dient. Da rund um das Gebäude noch Platz war, hat das Rechenzentrum auch noch ein 1,6 Megawatt-Notstrom- Aggregat mit einem 30000-Liter-Dieseltank und umweltfreundlicher Kühltechnologie.
Rechenleistungen kosten Strom. Und weil dabei Wärme entsteht, muss ein Rechenzentrum gekühlt werden. Das kostet noch viel mehr Strom. So kommt es, dass Rechenzentren als Energiefresser gelten. Die beiden Projektpartner sind stolz, dass das hier anders ist. "Man kann hier wirklich von "Green IT" sprechen", sagt Bernhard Barz, Regio-IT-Projektleiter. Technische Finessen machen es möglich: Zwischendecken in den Serverräumen trennen den Luftein- vom -ausgang. Kalte Luft wird also von vorne auf die Schränke geblasen, hinten wird warme Luft abgeleitet und auf dem Dach und hinter dem Gebäude gekühlt.
Gegen Ausfälle gesichert
Das Rechenzentrum vereint weitere Vorteile unter einem Dach: Es ist mehrfach gegen Ausfälle gesichert, es sitzt direkt an einer dicken Glasfaserleitung ins Internet, und die Daten und Prozesse, die dort laufen, werden fast in Echtzeit in anderen Rechenzentren von Synaix und Regio-IT "gespiegelt". "Das kommt den Kunden in der Region zugute, das macht Aachen attraktiv für Hightech-Unternehmen", unterstreicht Synaix-Geschäftsführer Stefan Fritz die Bedeutung. Zu den Datensätzen, die dort verwaltet werden, gehören neben Daten der Städteregion Aachen und Teilen des Kreises Heinsberg auch Abrechnungsdaten von Online-Anbietern, die Knöllchen der Stadt Aachen und anderes mehr.
Die Bedeutung des Rechenzentrums hat sich offenbar bis Düsseldorf herumgesprochen: Zur Inbetriebnahme am Mittwochabend war selbst NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) angereist.