synaix Newsletter Ausgabe 05/2010 vom 04.05.2010
Faulheit ist ja bekanntlich die Mutter aller Erfindungen. So argumentierte auch der 25 jährige Konrad Zuse, er sei zu faul zum Rechnen, und erklärte seinen verblüfften Eltern, er benötige nun ihr Wohnzimmer, um eine vollautomatische Rechenmaschine zu bauen. Es war wohl weniger Faulheit als Pioniergeist; jedenfalls war der junge Bauingenieur schlichtweg schockiert von den stupiden Rechnungen im Bauingenieurwesen.
So konstruierte Zuse von 1936 bis 1938 die Z1, einen rein mechanischen, binären Rechner, der in seiner Architektur bereits heutigen Computern ähnelte. Es folgte als Weiterentwicklung die Z2, für die er neben dem weiterhin mechanischen Speicher für das Festkommarechenwerk die ersten (Telefon)Relais verwendete. Zufrieden mit dieser Technik konstruierte Zuse die Z3, die am 12. Mai 1941 in Berlin offiziell in Betrieb genommen wurde. Die Z3 gilt heute als der erste funktionsfähige, frei programmierbare, auf dem binären Zahlensystem (Gleitkommazahlen) und der binären Schaltungstechnik basierende Rechner der Welt. Oder wie Dirk Böndel, Direktor der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, es ausdrückt: der erste Computer der Welt war ein Berliner.
Doch damit nicht genug: Zuse entwickelte mit "Plankalkül" 1945 die erste höhere Programmiersprache. 1949 gründete er mit der Zuse KG die erste Computerfirma in Deutschland. Diese baute u.a. auch den ersten Plotter (Z64). Die Frage "Wie rechnet das Universum?" veranlasste Zuse 1967 zu der vieldiskutierten Veröffentlichung "Der Rechnende Raum". In seiner Freizeit rekonstruierte er seine im Krieg zerstörten Rechner Z1 und Z3, baute einen Windturm zur optimalen Ausnutzung der Windenergie und widmete sich der Malerei.
In diesem Sommer wäre Konrad Zuse, der am 22. Juni 1910 geboren wurde, 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erinnern bundesweit sechs Museen sowie zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen an sein Leben und Werk und machen auf die Aktualität seiner Erfindung im digitalen Zeitalter aufmerksam. Einen Überblick über die geplanten Veranstaltungen des Zuse- Jahr 2010 unter Schirmherrschaft der Bundesforschungsministerin Annette Schavan bietet die Website http://www.zuse-jahr-2010.de/.