Studie zur Digitalen Gesellschaft in Deutschland

synaix Newsletter Ausgabe 04/2010 vom 31.03.2010

In wie weit ist Deutschland tatsächlich schon eine digitale Gesellschaft? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Initiative D21 in der Studie "Digitale Gesellschaft in Deutschland – Sechs Nutzertypen im Vergleich" und kommt zu interessanten Ergebnissen. 

Nach Angaben des (N)ONLINER Atlas 2009 nutzten im Jahr 2009 etwa 70 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren das Internet - zwei Drittel davon über einen Breitbandanschluss. Doch nur insgesamt 26 Prozent der Gesamtbevölkerung sind nach den Ergebnissen der Marktforscher wirklich als Mitglieder der Digitalen Gesellschaft zu bezeichnen.

TNS Infratest befragte 1014 Personen unter den Aspekten digitales Potenzial (Infrastruktur, Kompetenz, Wissen) sowie Einstellung und Nutzung (Nutzungsintensität, Nutzungsvielfalt, Einstellungen) und identifizierte auf dieser Basis sechs Nutzergruppen:

Die digitalen Außenseiter (35 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung)
Die Gruppe der digitalen Außenseiter ist mit einem Durchschnittsalter von 62,4 Jahren die älteste und die größte. Das digitale Potential ist im Vergleich zu den anderen Typen gering. Das äußert sich in der geringen Computer- und Internetnutzung (nur ein Viertel der Befragten besitzt Computer und Drucker) sowie der negativsten Einstellung aller Gruppen gegenüber digitalen Themen. Begriffe wie E-Mail, Betriebssystem oder Homepage sind den digitalen Außenseitern weitgehend unbekannt. Immerhin ein Fünftel der digitalen Außenseiter kann sich im Internet zu Recht finden.

Die Gelegenheitsnutzer (30 Prozent)
Im Durchschnitt 41,9 Jahre alt, besitzen immerhin 98 Prozent dieser Gruppe PC oder Notebook und drei Viertel eine Digitalkamera. Fast alle Gelegenheitsnutzer verbringen Zeit mit Computer und Internet, vor allem für private Zwecke. Sie kennen einige Basisbegriffe, haben aber beim Thema Sicherheit großen Nachholbedarf. Insgesamt erkennt dieser Nutzertyp die Vorteile des Internets an, bevorzugt aber eher klassische Medien.

Die Berufsnutzer (Neun Prozent)
Diese Gruppe (Durchschnittsalter 42,2 Jahre) hat den höchsten Anteil an Berufstätigen. An ihrem Arbeitsplatz verfügen die Berufsnutzer über eine deutlich bessere digitale Infrastruktur als die Gelegenheitsnutzer und nutzen dort überdurchschnittlich das Internet. Die private Nutzung liegt hingegen leicht unter dem Niveau der Gelegenheitsnutzer. Berufsnutzer beschränken sich in der Nutzungsvielfalt eher auf nützliche Anwendungen wie E-Mail oder Textverarbeitung.

Die Trendnutzer (Elf Prozent)
Die Gruppe der Trendnutzer wird durch den höchsten Männer- (78 Prozent) als auch Schüleranteil (13 Prozent) charakterisiert. Mit einem Durchschnittsalter von 35,9 Jahren sind die Trendnutzer recht jung. Bei den Trendnutzern ist häufig die ganze Bandbreite an digitalen Geräten vorhanden, mit dem Trend zum Zweitcomputer. Sie verfügen über umfassende Kompetenzen am Computer und kennen sich bis auf wenige Ausnahmen bestens in der digitalen Welt aus. Trendnutzer wenden gerne Web 2.0-Applikationen an und erkennen die großen Vorteile der digitalen Medien für sich.

Die digitalen Profis (12 Prozent)
Der digitale Profi ist im Durchschnitt 36,1 Jahre alt, meist männlich und berufstätig. Sowohl zuhause als auch im Büro verfügt er über eine sehr gute digitale Infrastruktur. Seine umfangreichen Kompetenzen spiegeln sich auch in seinen professionellen Fähigkeiten wider: Ob Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation, der digitale Profi fühlt sich auch auf diesem komplexen Terrain zuhause. Im Vergleich zu Trendnutzern oder digitaler Avantgarde suchen die digitalen Profis eher selten Zerstreuung in der digitalen Welt oder nutzen diese zur Selbstdarstellung. Nützliche Anwendungen, wie Online Shopping, Preisrecherche und Nachrichten lesen stehen bei der Nutzungsvielfalt im Vordergrund.

Die Digitale Avantgarde (Drei Prozent)
Die jüngste Gruppe (Durchschnittsalter 30,5 Jahren) ist gleichzeitig mit drei Prozent auch die kleinste Gruppe. Trotz eher geringem Einkommen lässt ihre digitale Infrastruktur kaum Wünsche offen. Die mobile und geschäftliche Internetnutzung sind dabei auffällig hoch. Mit ihrer hohen Kompetenz bildet die digitale Avantgarde bei den komplexen digitalen Themen die Spitze der Gesellschaft. Ihr Wissensstand um die digitale Welt ist jedoch nicht ganz so ausgeprägt wie bei den digitalen Profis. Der typische Avantgardler erwirbt seine Kompetenzen eher durch "trial and error" als durch Lesen von Anleitungen. Mit durchschnittlich elf Stunden täglich vor dem Computer ist für die Vertreter in dieser Gruppe neben der Arbeit auch das Freizeitverhalten oft von den digitalen Medien bestimmt.

Die Initiative D21 als parteien- und branchenübergreifendes Netzwerk von 200 Mitgliedsunternehmen und -institutionen will mit der Studie den Entwicklungsstand der digitalen Gesellschaft in Deutschland messen und durch gezielte Förderung vorantreiben. Die komplette Studie finden Sie hier zum kostenlosen Download.

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