synaix Newsletter Ausgabe 03/2010 vom 03.03.2010
Satellitengestützte Navigation ist heute Teil des Alltags. Mobiltelefone, Navigationssysteme und Computer sind mit GPS- Chips ausgerüstet und viele Menschen verlassen sich auf die Technik. Autofahrer und Seeleute nutzen sie zur Orientierung, Fuhrparkbetreiber informieren sich über den aktuellen Standort von Autos, LKWs oder Luxuslimousinen.
Doch auch die satellitengestützte Navigation ist angreifbar - und das ist gar nicht mal schwierig. Das Royal Institute of Navigation und das Digital Systems Knowledge Transfer Network organisierte für Ende Februar ein Treffen, um die Probleme bekannter zu machen. Unter dem Titel "GPS Jamming & Interference – A Clear and Present Danger" beschäftigten sich die Experten mit einigen der Hauptprobleme der aktuellen Navigationstechnologie. Die schlimmsten Neuigkeiten: GPS-Signale lassen sich noch immer problemlos unterdrücken und, was bedeutend folgenschwerer sein kann: sogar manipulieren, um Nutzer in die Irre zu führen.
Der größte Angriffspunkt des GPS ist dessen schwache Signalstärke. Die Satelliten kreisen in rund 20.000 km Höhe, senden aber nur mit 100 Watt; und das Signal muss 38 Prozent der Erdoberfläche erreichen, erläuterte David Last, ehemaliger Leiter der Royal Institute of Navigation, in seinem Vortrag. Die empfindlichen Wellen der Satelliten lassen sich schon jetzt mit entsprechenden Sendern stören. GPS- Störsender sind bereits ab 30 Euro im Internet erhältlich. In Deutschland ist ihr Besitz verboten, nachdem Brummi- Fahrer damit versucht haben sollen, das Maut- System zu umgehen. Autodiebe setzen solche Störsender ein, um gestohlene Fahrzeuge der GPS- Ortung zu entziehen. Und auch bei Terroristen sollen schon GPS- Störsender gefunden worden sein, so Last.
Zur Manipulation der GPS- Signale benötigt man schon spezielle Elektronik samt Atomuhr, um die passende Signalmodulation zu finden. Solche Geräte oder Bauteile sind heute mit mehreren Tausend Euro noch recht teuer. Mit solchen Geräten kann einem GPS- Empfänger eine falsche Position vorgegaukelt werden. Riskant wird das besonders bei geringen Abweichungen auf See, die den Seeleuten kaum auffallen. Hier kommt erschwerend hinzu, dass viele die klassische Positionsbestimmung verlernt hätten, und sich komplett auf die Navigationssysteme verließen.
Auch wenn gerade die Geräte zur Manipulation aktuell noch sehr teuer sind, ist zu befürchten, dass deren Preise in den nächsten Jahren fallen werden und dass Kriminelle über kurz oder lang auch über solche Geräte verfügen werden. Last vergleicht die Situation mit einem Betriebssystem bevor es die erste Viren gab. Anders als im Computerbereich existieren aber derzeit keine Unternehmen oder Technologien, die die Sicherheit von GPS- Systemen wahren. Bei Navigation gehe es inzwischen nicht mehr nur darum, die eigene Position bestimmen - das sei einfach, resümiert Last. "Jetzt geht es darum, das zuverlässig, sicher und stabil zu tun."