Intelligente Netze zur Sicherung der Energieversorgung
synaix Newsletter Ausgabe 12/2009 vom 02.12.2009
Intelligente Stromnetze, die Verbrauch und Erzeugung aufeinander abstimmen, sind laut Greenpeace der Schlüssel zu einer sicheren Stromversorgung durch Erneuerbare Energien. Dies zeige die Studie "Erneuerbare Energieversorgung 24/7", die das Ingenieurbüro Energynautics für Greenpeace erstellt hat.
Der Studie zufolge können intelligente Netze auch selten auftretende Extremwettersituationen mit sehr hoher Wind- oder Sonnenintensität bei geringem Verbrauch (Sommer) oder wenig Sonne und Wind bei hohem Verbrauch (Winter) meistern. Damit liessen sich kleine dezentrale Energieerzeuger wie Solaranlagen auf Häusern sicher und effizient mit Großprojekten wie Offshore Windanlagen und Wüstenstrom aus Afrika vereinbaren.
"Das Stromnetz der Zukunft hilft beim Klimaschutz", sagt Sven Teske, Diplom-Ingenieur und Energie-Experte von Greenpeace International. "Die Technik ist heute schon verfügbar und die Lüge von der Stromlücke ein Märchen der Energiekonzerne. Um Solaranlagen auf Häusern, Offshore Wind in der Nordsee und Wüstenstrom für Europa zu einer sicheren, CO2-freien Stromversorgung zu kombinieren, muss das EU-weite Stromnetz nur um rund vier Prozent ausgebaut werden. Dafür wären wir zukünftig von Kohle-, Gas- und Uran-Importen unabhängig."
Schon heute ständen dafür zahlreiche Maßnahmen wie die Laststeuerung, verbesserte Wettervorhersagen und Energiespeichermethoden zur Verfügung. Die verschiedenen Netztypen wie Mikro-Grids (z.B. Siedlungsnetze) und Super-Grids (Überlandverbindungen) müssten künftig kombiniert werden, damit ein ständiger Systemausgleich stattfinden kann. EU-weit müssten etwa 6000 Kilometer neue Kabel und zwischen Europa und Afrika weitere 6000 Kilometer Kabel verlegt werden. Rund 10.000 Kilometer Kabel müssten in Europa technisch aufgerüstet werden.
Zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten mit Anwohnern sollten dabei laut Greenpeace in Siedlungsnähe Erdkabel statt Freileitungen verwendet werden. Die Modernisierung der Netze verlangt der Studie zufolge Investitionen bis 2050 von insgesamt rund 209 Milliarden Euro, das sind jährlich rund 5 Milliarden Euro. Umgelegt auf den Strompreis bedeute dies Mehrkosten von 0,15 Cent pro Kilowattstunde, also weniger als 1 Prozent.
"Die deutsche Regierung muss für den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien dringend den Netzumbau beschleunigen", sagt Andree Böhling, Energie-Experte von Greenpeace Deutschland. "Zudem müssen die Übertragungsnetze in eine unabhängige Netz AG mit staatlicher Beteiligung überführt werden, um die Blockaden der Energiekonzerne aufzulösen." Die Studie "Das Stromnetz des 21. Jahrhunderts" steht zum kostenlosen Download im Netz.