synaix Newsletter Ausgabe 11/2009 vom 03.11.2009
Deutsche Unternehmen setzen auch in Krisenzeiten auf Forschung und Entwicklung (F&E). Mit einer Steigerung der Ausgaben um 9 Prozent liegen sie 2008 deutlich über dem globalen Durchschnitt von 5,7 Prozent. Mit insgesamt 28,5 Milliarden Euro für F&E-Investitionen positioniert sich Deutschland als der führende Forschungsstandort in Europa und steht für 7,9 Prozent der weltweiten F&E-Investitionen von 362 Milliarden Euro. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Studie "Global Innovation 1000" der Strategieberatung Booz & Company. Die Studie analysiert die F&E-Budgets und -Strategien der 1000 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben in diesem Segment.
Trotz der 2008 einsetzenden Wirtschaftskrise stärken die Unternehmen demnach weiter ihre Forschung und Entwicklung. Und obwohl 65 Prozent der weltweiten Top-1000-Innovatoren in der schwersten Rezession seit 1929 deutliche Umsatzrückgänge verbuchen und 32 Prozent sogar Verluste schreiben, erhöhten mehr als zwei Drittel ihre F&E-Ausgaben im vergangenen Jahr. 90 Prozent der befragten Manager bewerten Innovation als wesentlichen Erfolgsfaktor für den erhofften Aufschwung.
Die globalen Top 20, die 26 Prozent des gesamten "Global Innovation 1000"-Budgets auf sich vereinen, beziffern ihre Gewinneinbußen auf 35 Prozent. Dennoch steigerten diese Unternehmen ihre F&E-Etats auch im Krisenjahr 2008 um weitere 3,2 Prozent (im Vorjahr 7,6 Prozent). Zu Kürzungen in diesem Bereich kommt es nur bei etwas mehr als einem Viertel der Befragten.
"Im globalen Wettbewerb nimmt die Bedeutung von Innovationen zur Erhaltung der künftigen Wettbewerbsfähigkeit zu", erklärt Stefan Eikelmann, Sprecher der deutschen Geschäftsführung von Booz & Company. "Konsequenterweise wird daher in der Krise nicht zuerst der Rotstift bei F&E angesetzt." Außerdem seien Produktentwicklung und Innovationszyklen in vielen Branchen wie etwa Pharma auf mehrere Jahre angelegt.
Jeder zweite Entscheidungsträger definiert der Studie zufolge allerdings die Bewilligungskriterien für F&E-Projekte bedeutend strikter. Ebenso steige das Risikobewusstsein in Bezug auf Forschungsinvestitionen und Projekte mit unzureichender Performance werden eher eingestellt. Für sieben von zehn Unternehmen rücken veränderte, preissensitivere Kundenbedürfnisse in den Fokus für F&E-Ausgaben.
94 Prozent der Player der globalen "Innovations Champions League" sitzen in Nordamerika (Steigerung 6,5 Prozent), Europa (Steigerung 6,3 Prozent) oder Japan (Steigerung 0,5 Prozent). Aus China und Brasilien schaffen es gerade einmal 15 beziehungsweise drei Unternehmen unter die ersten 1000. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhen diese Länder ihre F&E-Ausgaben 2008 jedoch drastisch um 27,6 Prozent beziehungsweise 18,7 Prozent.
Auf das Siegertreppchen der Global Innovation 1000 schaffen es auch diesmal wieder Toyota, Nokia und Roche. Die Plätze vier bis zehn gehen an Microsoft, General Motors, Pfizer, Johnson & Johnson, Ford, Novartis und Sanofi-Aventis.
Unter den ersten Hundert sind mit Siemens (Platz 15), Volkswagen (Platz 17), Daimler (Platz 26), BMW (Platz 28), Bayer (Platz 32), SAP (Platz 54), Continental (Platz 57), BASF (Platz 60), Merck (Platz 72), Porsche (Platz 92) und ThyssenKrupp (Platz 95) immerhin elf deutsche Unternehmen vertreten.
"Die meisten deutschen Unternehmen haben in der Rezession nicht am falschen Ende gespart und konsequent an ihren Innovationsprogrammen festgehalten. Aktuell sehen wir vielerorts wieder eine deutliche Zunahme der F&E-Budgets. Gute Voraussetzungen also, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen", so das Fazit von Eikelmann.