Die Antwortmaschine Wolfram Alpha ist online

synaix Newsletter Ausgabe 06/2009 vom 03.06.2009

Seit gut zwei Wochen ist die Antwortmaschine Wolfram Alpha in der englischen Version online. Im Gegensatz zu einer Suchmaschine wie z.B. Google listet Wolfram Alpha nicht das Ergebnis aus einer zuvor aufbereiteten Datenbank auf sondern berechnet bzw. entwickelt die Antwort auf konkrete Fragen in Echtzeit.

Vier Jahre dauerte die Entwicklung von Alpha Search, an der rund 100 Entwickler mitgearbeitet haben. Ihr Erfinder Stephen Wolfram nennt seine Entwicklung "eine Maschine zur Berechnung menschlichen Wissens (computational knowledge engine)". Als Ausgangsmaterial benutze die Antwortmaschine "das gesamte Wissen der menschlichen Zivilisation, mit dem sich Berechnungen anstellen lassen." Das Ergebnis der Suchanfrage wird in Form von Daten, Grafiken oder Bildern dargestellt.

Für die Berechnung nutzt das Programm öffentliche und proprietäre Datenquellen. Neben 10 bis 20 Milliarden Datenpunkten, die in Alpha eingepflegt sind, werden aktuelle Informationen wie z.B. über Wetter oder Finanzmärkte mehrmals am Tag oder in Echtzeit abgerufen. Die Berechnung an sich erfolgt mittels eines Algorithmus, der nach Wolframs Angaben fünf bis sechs Millionen Zeilen Code der von Stephen Wolfram Mitte der Achtziger Jahre entwickelten Software Mathematica enthält.

Beantworten lassen sich damit Fragen nach Berechnungen oder Vergleichen. Bei der Eingabe von zwei Städtenamen enthält die Antwort z.B. die Einwohneranzahlen im Vergleich, die aktuelle Uhrzeit mit Zeitzone und die Entfernung zueinander. Fragen nach einem (Geburts-) Datum liefern neben der Anzahl der vergangenen Stunden und Minuten zumeist auch Angaben über den Mondstand sowie Sonnenauf- und Untergang.

Die Ergebnisse bauen auf systematische Fakten, Zahlen und nachgewiesene Daten - nicht aber auf Meinungen oder Ratschläge. So erhält man auf die Frage nach "Aspirin" die Chemische Formel und Informationen über Molekulargewicht oder Darreichungsformen, aber keine Hinweise auf die Anwendungsgebiete oder Bezugsquellen.

Wolfram spielt im "Zeit"- Interview darauf an, dass die Science-Fiction seit 50 Jahren Beispiele zeigt, in denen der Nutzer einem Computer einfach Fragen stellt und dieser in Archiven und Datenbanken die Antworten aufspürt. In diesem Sinn bezeichnet er den Umgang mit der Antwortmaschine auch als Entdeckungsreise. "Alberne Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens" schließt er jedoch aus.

Auch wenn Wolfram Alpha nicht der von einigen Leuten erwartete Google- Killer ist - die Antwortmaschine wird ihren Platz im World Wide Web finden. Nach dem Aus für das Wiki- Search- Projekt aus Kostengründen stellt sich aber auch für Wolfram Alpha die Frage nach der Finanzierung für eine solide Datenbasis und die Einführung weiterer Sprachen. Auch die Nutzer werden sich bei der Formulierung ihrer Fragen für die Antwortmaschine umgewöhnen müssen, um nicht eine lapidare "42" als Antwort zu erhalten.

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