Twitter als Informationsgewinn

synaix Newsletter Ausgabe 03/2009 vom 03.03.2009

Der Microblogging-Dienst Twitter wird in der Presse schon als "das nächste große Ding" im Internet gehandelt. Doch für wen ist der 140 Zeichen- Dienst wirklich auf Dauer interessant? Derzeit nutzen gut sechs Millionen Menschen die Kommunikationsplattform - Tendenz steigend. In seinem Unternehmensblog berichtet Twitter von einer Zuwachsrate der aktiven Nutzer von 900 Prozent im Jahr.

"What are you doing?" ist die Grundidee und Aufforderung zum Mitzwitschern bei Twitter (engl. für Gezwitscher). Doch neben den vielen Belanglosigkeiten des Alltags machen sich auch Politiker und Newsredaktionen das Medium zu nutze um ihre Meldungen schnell zu verbreiten. Die Besonderheit des Mikrobloggings liegt in seiner Einfachheit und Mobilität: der angemeldete Benutzer kann seinen kurzen Post bzw. Tweet mit dem wichtigsten Nachrichten für seine Leser schnell und von überall erstellen und veröffentlichen - sei es am Computer oder mit mobilen Geräten von unterwegs.

Als "Follower" abonniert der Nutzer auf twitter.com beliebige Kanäle und bekommt jeden neuen Eintrag der abonnierten Quellen in seinem eigenen Account angezeigt. Und wer selber Follower hat, veröffentlicht seine Microposts bei seinen Anhängern und verschafft sich ein entsprechendes Forum. US- Präsident Barack Obama nutzte Twitter schon zu Wahlkampfzeiten und läßt weiterhin per Twitter über geplante Maßnahmen informieren.

Meldungen über die Flugzeug- Notwasserung auf dem Hudson oder den Absturz der Turkish Airlines Maschine in Schiphol wurden zunächst von Privatleuten auf Twitter verbreitet bevor sie in den Presse- Schlagzeilen erschienen. Doch auch immer mehr Firmen entdecken Twitter als Medium zur Informationsverteilung. Das Spektrum reicht von Hinweisen auf neue Produkte über Pressemeldungen bis zu Sonderaktionen oder Umfragen. Dank des Dienstes von tinyurl.com kann in den Microblogs auch auf Web- Adressen in verkürzter Form verwiesen werden. So weit handelt es sich aber eher um eine Informationsverteilung und es findet noch kein Austausch statt.

Durch die Vielzahl der Nutzer findet sich auf twitter.com geballtes KnowHow, das entsprechend kanalisiert und damit nutzbar gemacht werden muss. Durch das Anhängen bestimmter Tags können relevante Beiträge direkt identifiziert werden. So führen z.B. Entwickler ihre Treffen mit entsprechend vereinbarten Zeichen per Twitter fort.

Die Suchoptionen halten die Twitter- Gründer Biz Stone und Evan Williams denn auch für ihren eigentlichen Schatz. Mit detaillierten Suchkriterien lassen sich über search.twitter.com Tweets zu einem bestimmten Schlagwort oder von bestimmten Quellen einfach anzeigen. Auch externe Tools wie Twitscoop liefern die Information, über welche Begriffe derzeit am meisten getwittert wird. Davon profitieren insbesondere Unternehmen - sei es zu Marketingzwecken oder aus den Rückmeldungen von (Erst) Usern. Und da ist Twitter als soziales Netzwerk einfach am Puls der Zeit. Über Tools wie Twittervision läßt sich zudem noch ablesen, woher die einzelnen Twitterer stammen, wenn sie es denn in ihrem Profil hinterlegt haben.

Das Potenzial von Twitter.inc wird trotz fehlendem Geschäftskonzept als sehr groß angesehen: Im Februar fanden sich (angeblich ohne Suche) neue Geldgeber aus der eigentlich vorsichtig gewordenen Risikokapitalbranche und investierten 35 Millionen US Dollar in das Unternehmen, das weder Umsatz noch Gewinn macht. Bisher ist der Dienst kosten- und werbefrei.

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