synaix Newsletter Ausgabe 11 / 2008 vom 04.11.2008
Die freien IP-Adressen, die auf dem aktuellen Standard IPv4 basieren, neigen sich dem Ende zu. Wie bald die Ressourcen des 25 Jahre alten IPv4 Adressraums zur Neige gehen, lässt sich schwerlich exakt festlegen. Bereits im Mai hatte die OECD darauf hingewiesen, dass weltweit etwa 85 Prozent der insgesamt bis zu 4,3 Milliarden Adressen verbraucht seien und zum Umstieg auf das IPv6 Protokoll gemahnt. Das China Internet Network Information Center (CNNIC) hat nach Berichten von China Tech News Ende September davor gewarnt, dass China in ungefähr 830 Tagen über keine freien IPv4-Adressen mehr verfügen wird.
Immerhin haben sich die IP-Adressverwalter (Regional Internet Registries, RIR) aller fünf Regionen (AfriNIC, APNic , ARIN, LacNIC und RIPE) nun darauf geeinigt, wie die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die letzen IPv4-Adressblöcke verteilen soll: Jeweils einer der letzten fünf vorhandenen Blöcke soll an jede der fünf RIRs vergeben werden. Diesen Erfolg nach einem Jahr Diskussion berichten Experten von der 57. Tagung des für Europa und Teile Asiens zuständigen RIPE (Réseaux IP Européens) in Dubai.
Der bei der IANA vorhandene Vorrat an IPv4-Adressen reicht voraussichtlich noch bis Januar 2011. Die einzelnen Registries können demnach noch bis Dezember 2011 die restlichen Adressen an Internet Service Provider weitergeben. Die Regeln für die Vergabe der letzten Adressreserven müssen die RIRs nun im nächsten Schritt jeweils selbst festlegen.
Die schwindenden Ressourcen des IPv4 machen deutlich, dass es an der Zeit ist sich mit dem Umstieg auf das neue Internetprotokoll IPv6 zu beschäftigen. Das arbeitet mit einem 128-Bit-System und bietet mit rund 340 Sextillionen Internetadressen einen Adressraum, der praktisch kaum vorstellbar ist. Berechnungen zufolge könnten damit jedem Quadratmeter der Erde 1.500 IP-Adressen zugewiesen werden.
Im praktischen Einsatz bedeutet der Umstieg auf IPv6 längere IP- Adressen. Während der Großteil der aktuellen Hardware das neue Internetprotokoll bereits unterstützt, erfordern ältere Komponenten einen höheren Aufwand. Auch die Software muss IPv6- fähig sein - hier können besonders im Code von netzwerkfähiger Software Probleme lauern. Alle Netze, mit denen IPv6-basierte Betreiber und Anbieter untereinander verbunden sind, müssen das Protokoll unterstützen. Und vor allem müssen die Mitarbeiter lernen, mit IPv6 umzugehen.
Eine frühzeitige Vorbereitung und Planung des Migrationsprojekts ist daher empfehlenswert. Anders als beim Jahr 2000-Problem entsteht zunächst kein Zeitdruck zu einem bestimmten Datum umzustellen, da die Protokolle noch eine Weile parallel genutzt werden können. IPv6 bringt aber auch klare Vorteile wie z.B. verbesserte QoS-Mechanismen, von denen Echtzeitanwendungen wie VoIP profitieren oder robustere Verbindungs- und Routing-Mechanismen bei Leitungsstörungen sowie die einfachere Implementierung von Sicherheits-Verfahren. Damit ist absehbar, dass die Arbeit mit IPv4 einem Unternehmen auch Wettbewerbsnachteile bringen kann - und dann ist das Thema Migration plötzlich ganz aktuell.
Bei allen Fragen zum Thema Migration auf IPv6 beraten wir Sie gerne. Sprechen Sie uns einfach an! mailto:newsletter@synaix.de