synaix Newsletter Ausgabe 10 / 2008 vom 01.10.2008
Die deutschen Zeitungen profitieren vom Wachstum in den digitalen Märkten. Mit ihren Online- Angeboten erreichten die Zeitungen fast 40 Prozent der Internetnutzer, deren Zahl innerhalb eines Jahres von 14 auf 16 Millionen angestiegen sei.
"Die Internetangebote der Verlage haben einen enormen Aufschwung genommen", erklärte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, bei der Eröffnung des Zeitungskongresses 2008 in Berlin. Als Produzent von Qualitätsinhalten nutzten die Verlage alle zur Verfügung stehenden Plattformen – print, online und mobil –, erläuterte Heinen in Gegenwart von Bundeskanzlerin Angela Merkel und rund 500 Kongressteilnehmern. Während die die gedruckte Zeitung noch auf lange Sicht die Säule des Geschäfts bleibe, sei das Internet ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsstrategie.
Für die weitere positive Entwicklung sei vor allem die Politik gefordert, stellte Heinen fest und wendete sich an die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit dem Aufruf, die Expansionen im Internet zu stoppen. Aufgrund der Finanzierung der Rundfunkanstalten über Gebührengelder entstehe ein Ungleichgewicht gegenüber den Verlagen, die die Angebote im Netz aus eigener Tasche bezahlten. "Uns interessiert hier vor allem das Thema einer drohenden öffentlich-rechtlichen elektronischen Presse. Die darf es genauso wenig geben, wie überregionale oder regionale gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Zeitungen", forderte Heinen.
Scharfe Kritik übte der BDZV-Präsident auch an den Plänen der Deutschen Post AG, mit Gratis-Titeln die privaten Zeitungen im Leser- und Werbemarkt anzugreifen. Dass ein Unternehmen, bei dem der Staat größter Aktionär sei, überhaupt an ein solches Projekt denke, sei eine groteske Vorstellung. Heinen appellierte an die Bundeskanzlerin, der Staat müsse dafür sorgen, dass "derartige skandalöse Pläne" nicht realisiert würden. "Hier droht ein ordnungspolitischer Sündenfall ersten Ranges", so der BDZV-Präsident.
Seine Kritik richtete Heinen auch auf Pläne, die Restriktionen und Verbote im Bereich der Werbung auszuweiten. Die Forderung des Europäischen Parlaments, wonach künftig 20 Prozent der Automobilwerbung in Zeitungen für umweltbezogene Aussagen genutzt werden, würde dazu führen, dass die Automobilindustrie sich vom Werbeträger Print verabschiedet.
Der Gesetzgeber müsse zudem bei der Umsetzung der von der EU-Kommission verabschiedeten Fernsehrichtlinie in nationales Recht darauf achten, dass Product-Placement in Deutschland nicht erlaubt werde. Wenn Werbung als solche nicht mehr klar erkannt werde, verlören alle Medien an Glaubwürdigkeit. Das Trennungsgebot sei für die Zeitungen nicht nur ein Glaubwürdigkeits- sondern ein Qualitätskriterium.