Microsoft Live Mesh als Vorab-Version

synaix Newsletter Ausgabe 05 / 2008 vom 06.05.2008

"Internet ist nur ein Hype" prognostizierte Bill Gates im Jahr 1995. Im November 2005 verkündete der Microsoft-Gründer die Pläne des Unternehmens für "Windows Live". Ende April 2008 hat Microsoft den Online-Dienst "Live Mesh" als Vorab-Version gestartet. Derzeit dürfen etwa 10.000 registrierte Beta-Tester auf den Netzdienst zugreifen. Die Ausdehnung auf einen öffentlichen Test wird für den Herbst erwartet.

Mit Live Mesh soll man mehrere PCs und tragbare Geräte via Internet synchronisieren und auch steuern können. Im Prinzip ist damit der standortunabhängige Zugriff auf online gespeicherte Daten per Webbrowser gemeint. Damit stellt Microsoft nun klar das Internet und die Netzdienste in den Fokus seiner Aktivitäten.

In der Vorabversion können mit Live Mesh zunächst nur Endgeräte, die Windows Vista oder XP nutzen, zu einem Geräte-Netz ("Mesh") verbunden werden. Das Mesh ermöglicht einen Dateiaustausch zwischen zuvor freigeschalteten Ordnern und eine Online-Zusammenarbeit. Ebenso ist es möglich remote auf einen PC im Mesh zuzugreifen. Alle Daten werden in der "Cloud" online gespeichert. Der Zugriff auf das eigene Netz erfolgt über den "Live Desktop" oder per Webbrowser. Als Login für die Services dient eine Windows Live ID. Mesh-Clients für Mac OS und mobile Geräte will Microsoft nachliefern.

Auf Programmierseite bedeutet Live Mesh für Chefentwickler Ray Ozzie und sein Team einen ganz neuen Ansatz: Mit neuen Werkzeugen müssen sie einen Code entwickeln, bei dem es im Grunde gleich ist, ob man mit einem Telefon oder einem PC auf den Dienst zugreift. Auch der Speicherort der Datei - lokal oder in der Internet- Wolke - sollte unerheblich sein. Die Administratoren werden den Zugriff auf ferne Rechner über die in Windows integrierte Remote-Desktop-Software sicherlich kritisch betrachten, durchdringt sie dabei doch Firewalls und NAT-Router.

Live Mesh steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Ein Meilenstein ist es schon jetzt, weil Microsoft sich von seinem bisherigen Schwerpunkt Desktop nun dem Thema Internet und Netzdienste zuwendet. Suchmaschinenanbieter Google macht Microsoft in den vergangenen Jahren zunehmend Konkurrenz mit vernetzten Onlineprogrammen und greift damit Microsofts jahrzehntelange Vorherrschaft auf dem Bürosoftwaremarkt an. Microsoft sucht einen starken Online- Partner um Google entgegenzutreten. Nach der Rücknahme des Übernahme- Angebots an Yahoo bleibt die weitere Entwicklung spannend.

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